Regeln des Zusammenlebens

Dienstag 17. November
1942.

Prospekt und Leitfaden des Hinterhauses. Spezielle Einrichtung für die vorübergehende Unterkunft von Juden und dergleichen.

Während des ganzen Jahres geöffnet. Schöne, ruhige, waldreiche Umgebung im Herzen von Amsterdam. Keine privaten Nachbarn. Zu erreichen mit den Straßenbahnlinien 13 und 17 fer­ner auch mit Auto oder Fahrrad. In bestimmten Fällen wo die deutschen Autoritäten die Be­nutzung dieser Transportmittel nicht erlauben auch laufend.

Entfernung von der Munt: 5 Minuten. Entfernung von [Amsterdam-]Süd: 45 Minuten. Mö­blierte und unmöblierte Wohnungen und Zimmer ständig verfügbar mit oder ohne Pension. Wohnpreis gratis. Diätküche, fettfrei.

Fließendes Wasser im Badezimmer (leider keine Wanne) und an diversen Innen- und Außen­wänden. Herrliche Feuerstellen. Geräumige Lagerplätze für Güter jeder Art. 2 große moderne Panzerschränke. Eigene Radio-Zentrale.

mit direkter Verbindung von London, New York, Tel Aviv und vielen anderen Stationen. Dieser Apparat steht ab 6 Uhr abends allen Bewohnern zur Verfügung, wobei es keine verbote­nen Sender gibt unter der Bedingung daß nur ausnahmsweise deutsche Sender gehört werden dürfen z.B. klassische Musik u. ä. Der Radio-Nachrichtendienst arbeitet durchgehend in 3 Schichten. Morgens um 7 Uhr, 8 Uhr, mittags um 1 uhr, abends um 6 Uhr. Ruhezeiten: 10 Uhr abends – 7 ½ Uhr morgens. Sonntags 10 ¼ Uhr. In Zusammenhang mit [besonderen] Umstän­den werden tagsüber auch Ruhestunden abgehalten, nach Anweisungen der Direktion. Ruhe­stunden müssen genau eingehalten werden, in Zusammenhang mit der allgemeinen Sicher­heit!!!! Freizeit: verfällt soweit außer Haus bis auf weitere Anweisung.

Gebrauch der Sprache: Gefordert ist zu allen Zeiten leise zu sprechen, erlaubt sind alle Kultur­sprachen, also kein Deutsch. Lektüre und Entspannung: Es dürfen keine deutschen Bücher ge­lesen werden, ausgenommen wissenschaftliche und klassische, alles übrige ist frei. Gymnastik­übungen: täglich Gesang: ausschließlich leise und nach 6 Uhr abends.

Film: Nach Abmachung.

Unterricht: In Stenographie jede Woche 1 schriftliche Lektion. In Englisch, Französisch, Mathe­matik, und Geschichte jederzeit.

Bezahlung im Gegenunterricht, z.B. Niederländisch.

Eilst strengstens verboten deutsche Nachrichten abzuhören (egal von wo diese ausgesandt wer­den) und zu verbreiten.

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Besondere Abteilung für kleine Haustiere, mit guter Versorgung (ausgenommen Ungeziefer, für das besondere Genehmigung erteilt werden muß …….

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Preis, wird nach Beratung festgelegt.

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Die Einnahme der Mahlzeiten: Frühstück an allen Tagen, mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage morgens um 9 Uhr, Sonn- und Feiertage ca 11 ½ Uhr.

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Dinner, zum Teil ausgedehnt.

Mittags 1 ¼ – 1 ¾ Uhr.

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Abendessen, kalt und / oder warm in Zusammenhang mit dem Nachrichtendienst keine feste Zeit.

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Verbessern:

Die Hausgenossen ersuchen freundlich wenn jemand einen Fehler macht in Sprache oder Aus­sprache der niederländischen Sprache, verbessert zu werden; es wird sicher allen Hausgenossen zugute kommen.

Verpflichtungen gegenüber der Versorgungskolonne:

Immer bereit zu sein um bei Büroarbeiten zu helfen.

Baden: Sonntags ab 9 Uhr steht die Schüssel allen Hausgenossen zur Verfügung. Man kann ba­den im WC, in der Küche, im Privatbüro, im vorderen Büro, ganz nach Wunsch.

Starke Getränke nur gegen ärztliches Attest. Ende.

 

Besuch bei Anne

Vorletzten Donnerstag ging es für mich auf eine vorerst letzte Anne-Mission. Meine Mutter und meine Großeltern wollten sich gern mit mir die Oper angucken. Sie interessieren sich für Vieles, was mit Kunst und Musik zu tun hat, und vor allem meine Großeltern sind in diesem Zusammenhang auch sehr offen und jung geblieben. Auf meinen Vorschlag hin fuhren wir deshalb nach Plauen, um uns eine Vorstellung von Das Tagebuch der Anne Frank anzusehen.

Ich hatte vorher nicht allzu viel über die Produktion berichtet. Alle drei erwarteten deshalb eine mehr oder weniger realistische Darstellung von Annes Leben – und wurden überrascht. Diese Überraschung schlug bald um in gebanntes Verfolgen, als die Oper ihren Lauf nahm.

Ich verlor währenddessen die Zeit aus den Augen und so ging es, glaube ich, auch meinen drei Begleitern. Gefesselt, sprachlos und dennoch unruhig saßen sie auf ihren Stühlen und brauchten nach dem langen Applaus noch einige Zeit, wieder zu sich zu kommen.

Was mich angeht, wie ihr aus meinen ersten Blogeinträgen noch herauslesen könnt, war ich am Anfang skeptisch. Meine Erwartungen waren ähnlich zu denen der Premierenklasse: generell wäre doch eine „realistische“ Darstellung besser als eine abstrakte … Oder?

Das Thema berührt an sich schon ungemein. Doch in dieser Oper, in dieser Umsetzung, wird es umso extremer. Eben weil es persönlicher wird, weil Jana und Julia in ihrer Rolle nicht nur kühl von Anne Franks Leben erzählen, sondern der Zuschauer Höhen und Tiefen ihrer Zeit miterlebt und Anne leibhaftig vor sich stehen sieht.

Natürlich sind Filme, die Anne Franks Leben im Hinterhaus real und dokumentarisch darstellen, auch wichtig. Doch Theater hat ganz andere Darstellungsmöglichkeiten. Theater kann auch abstrakt darstellen, und die Oper Das Tagebuch der Anne Frank erzählt zusätzlich mit der Musik des Orchesters.

Das Besondere an diesem Stück ist also, wie ich finde, dass es eben nicht „gewöhnlich“ wie viele der Filme über Anne ist. Es ist nicht so, wie man es erwartet. Es wurden so viele Gedanken, Überlegungen und Interpretationen eingearbeitet, dass es auf eine unangenehme Weise begeistert.

Meine Großeltern haben gesagt, es war ein guter Gedankenanstoß, sie reden immer noch darüber. Auch meine Mama sagte mir erst heute Vormittag, dass das Stück sie noch beschäftige.

Und genau das soll es doch bewirken, meiner Meinung nach. Nicht wie ein schwerer Brocken im Magen liegen und ein Thema sein, was man vermeiden möchte. Sondern eher etwas, das zum Nachdenken anregt – damit man Anne und ihre Geschichte nicht vergisst.

Fragebogen – Nelly

1. blaue Augen, schwarze Haare (Nein, leider nicht.)
2. Grübchen in den Wangen (Nein, wäre mir aber lieber als Pausbäckchen.)
3. Grübchen am Kinn (Nein.)
4. Dreieck auf der Stirn (Ich glaube nicht… So oft sehe ich mich ja nicht.)
5. weiße Haut (Im Gegensatz zu vergangenem Sommer – ja.)
6. gerade Zähne (Ja, dank langer Zahnspangenquälerei.)
7. kleiner Mund (Mittel.)
8. gebogene Wimpern (Ja.)
9. gerade Nase (Ich denke schon.)
10. hübsche Kleidung (Mal so, mal so, meistens einfach nur bequem.)
11. schöne Nägel (Ich versuch’s.)
12. intelligent (Das ist Ansichtssache.)


ASP, AmA und KHP; BO1, HP2 und dann GP …

Ein kurzer Blick hinter die Kulissen des Abkürzungssalats:

ASP = Ausstattungsprobe, ist das gleiche wie
AmA = Alles mit Allem, Kostüm, Maske, Licht, Bühne, Video kommen das erste Mal zusammen, die Musik kommt vom Klavier

KHP = Klavierhauptprobe, wie ASP und AmA, nur eine Probe später

BO1 = Bühnenorchesterprobe 1, die erste Probe auf der Bühne mit Orchester, der Fokus liegt auf der Musik, ohne Maske, Kostüm etc.

HP2 = Hauptprobe 2, wie alle Hauptproben mit Maske, Kostüm, Licht etc., sofern nicht anders gekennzeichnet (s. KHP) mit Orchester

GP = Generalprobe, letzte Probe vor der Premiere, alles im Original, die Probe wird nur im allergrößten Notfall unterbrochen
(Trotzdem sollte bei der GP möglichst eine Kleinigkeit schief gehen. Perfekte Generalproben gelten als schlechtes Omen für die Premiere.)

mfg
das Theater

Fragebogen – Jana

1. blaue Augen, schwarze Haare (Nein und Nein.)
2. Grübchen in den Wangen (Nein.)
3. Grübchen am Kinn (Nein.)
4. Dreieck auf der Stirn (… ich glaube, ja?)
5. weiße Haut (Ja.)
6. gerade Zähne (Ja.)
7. kleiner Mund (Definitionssache.)
8. gebogene Wimpern (Ja.)
9. gerade Nase (Ja.)
10. hübsche Kleidung (Ab und an.)
11. schöne Nägel (Absolut nicht.)
12. intelligent (Man sagt, ich wäre es.)