„Also wenn die Zeit angezeigt wird, wird aufgenommen… Glaube ich.“

Ich komme mir schon ziemlich professionell vor – Aufnahmegerät in der einen, Zettel voller Fragen in der anderen Hand, auf dem Weg zu einem wichtigen Termin. Ich habe die Aufgabe, Jana und Julia, die beide Anne singen und spielen werden, zu interviewen. Aus dieser Aufgabenstellung kann man natürlich viel machen – was es nicht unbedingt leichter macht.

Nach einigen Überlegungen habe ich mir einige Fragen ausgedacht, die mich persönlich zu den beiden und zum Thema Anne Frank interessieren. Damit gewappnet treffe ich mich erst mit Julia, gespannt und ziemlich aufgeregt. Denn Julia habe ich bisher nur zur Konzeption vor einigen Wochen gesehen, aber weder eine ihrer Proben miterlebt noch sie richtig persönlich kennengelernt. Dementsprechend interessiert setze ich mich ihr gegenüber. Nach einigen Startschwierigkeiten mit dem Aufnahmegerät und mir geht es los.

Ich beginne mit meiner ersten, zugegeben relativ unspektakulären Frage: was sie denn beruflich gelernt habe. Julia hat Operngesang studiert, vor sechs Jahren die ersten großen Bühnenerfahrungen gemacht, erzählt sie. Sängerin werden war schon immer ihr Traum, wobei sie auch von ihren Eltern unterstützt wurde – und jetzt hat sie ihr Ziel erreicht und ist als Opernsängerin im Theater Plauen Zwickau angestellt.

Die Umsetzung von Das Tagebuch der Anne Frank findet sie sehr ansprechend für die Zuschauer, da keine geballte Grausamkeit des geschichtlichen Hintergrundes über sie hereinbreche, man aber trotzdem mittendrin sei. Es drehe sich alles direkt um die Person Anne. Das Unrecht werde nur angedeutet, bleibe aber trotzdem ständiger Begleiter.

Mich interessiert außerdem, wie Julia Anne Frank beschreiben würde, da sie nicht nur den Text singen, sondern Anne auch direkt verkörpern muss. Für Julia steht Anne als Person für Hoffnung und Optimismus. Sie sei nicht unterzukriegen, eine Kämpfernatur und halte an ihrem Glauben auf eine bessere Zukunft fest, meint Julia. Ein sensibles, melancholisches Mädchen, das ihrer Zeit und ihrem Alter deutlich voraus gewesen sein muss.

Obwohl Julia sich selbst nicht als Optimistin einschätzt, sieht sie zwischen sich und Anne doch Gemeinsamkeiten. Wie Anne sei sie eine Kämpferin, jedoch gefühlsbetont – das helfe ihr, sich in sie hineinzuversetzen und sie zu spielen.

Das Interview beende ich mit einer Frage, die ich schon immer mal großen Sängerinnen oder Schauspielern stellen wollte: Was macht man denn bei Lampenfieber? Julia hat kaum Lampenfieber, erzählt sie. Nur eine kurze gute aufgeregte Phase, ein paar Minuten vor dem Betreten der Bühne. Von Anfang an hat sie sich auf der Bühne wohl gefühlt und genießt die Zeit im Rampenlicht sehr – die ideale Voraussetzung für eine Opernsängerin.

Jetzt bin ich umso gespannter darauf, Julia in der Rolle der Anne zu erleben!

Niemals Opfer, unbeirrbare Optimistin!

Im Alter von 16 Jahren besuchte ich das Anne Frank Museum in Amsterdam. Das Thema Anne Frank war sicher schon ein paar Jahre zuvor Schulstoff gewesen, jedoch kann man es erst erfassen, wenn man vor Ort war, das Hinterhaus und den Eingang zum Versteck gesehen hat. Die ärmlichen Verhältnisse, die Enge, die mangelnde Privatsphäre – unvorstellbar heutzutage und dann das Schlimmste von allem: die Angst ums eigene Überleben!

Als ich, vor einigen Wochen, begann mich mit dem Stück Das Tagebuch der Anne Frank von  Grigori Frid auseinanderzusetzen, kamen die Bilder dieses eindrücklichen Museumsbesuchs wieder hoch. Und so schaute ich mir auf der Homepage des Anne Frank Museums den interaktiven Rundgang durch das Hinterhaus an und war sofort wieder dort. Erinnerte mich an das Puppenhaus, die alten Möbel, sogar den Geruch. Im Dachboden angekommen, wo Anne durch das einzige nicht zugehängte Fenster die Welt beobachten und ihre Hoffnung nähren konnte, wo sie und Peter sich näher kamen, wo sie durchatmen und vielleicht ein Stück weit frei sein konnte, rollt mir unweigerlich eine Träne über die Wangen. Zu konkret werden die Bilder in meinem Kopf, zu nah die Figur der Anne Frank, war doch der Dachboden der wichtigste Ort, der Lieblingsplatz, der letzte Ort an dem sie frei sein konnte.

Doch dann stellt man sich die Frage, wie viele dieser Schicksale hat es wohl in dieser Zeit gegeben, wie viele Tagebücher wurden geschrieben, wie viele blieben unentdeckt?

Für mich ist Anne Frank eine Kämpferin, eine unbeirrbare Optimistin, die nie in die Rolle des Opfers fällt. Bis zum Schluss hält sie an ihren Idealen fest und verliert sich nicht in Hass und Verzweiflung. Das ist es auch, was sie und ihr Tagebuch so besonders und bewundernswert macht. Ein Vorbild an Menschlichkeit für uns alle – das ist ihr Vermächtnis!

Willkommen, Bienvenue, Welcome

Matinee, die [lat.-fr.]
I. die; …en: künstlerische Morgenunterhaltung, -darbietung, Vormittagsveranstaltung
II. das; -s: (veraltet) Morgenrock

Am Sonntag um 11 ist unsere Matinee in Plauen und ihr seid alle herzlich eingeladen.

Auf der Kleinen Bühne werden wir über die Oper reden, über Anne Frank, unsere Gedanken und Arbeitsprozesse. Außerdem geben euch Julia, Jana und Maxim schon mal eine musikalische Kostprobe.

Im Anschluss wird die Ausstellung der Plakatentwürfe im Großen Haus eröffnet.

Kommt also vorbei zur künstlerischen Morgenunterhaltung. Vielleicht  sogar im Morgenrock? 😉

 

 

Fragebogen – Julia

  1. blaue Augen, schwarze Haare (ja und nein)
  2. Grübchen in den Wangen (nein)
  3. Grübchen am Kinn (nein)
  4. Dreieck auf der Stirn (nein)
  5. weiße Haut (ja)
  6. gerade Zähne (mehr oder weniger)
  7. kleiner Mund (nein)
  8. gebogene Wimpern (ja)
  9. gerade Nase (ja)
  10. hübsche Kleidung (immer)
  11. schöne Nägel (ja)
  12. intelligent (immer öfter)

Heute hier, morgen dort

Gestern war ziemlich aufregend: zwei Durchläufe nacheinander, der eine mit Julia, der andere mit Jana. Spannend, die inszenatorischen Gemeinsamkeiten und individuellen Unterschiede in ihren  Interpretationen zu sehen. Außerdem eine gute Gelegenheit, sich das Stück mit allen Tücken gleich zweimal zu Gemüte zu führen.

Und weil wir so viel geschafft haben, machen wir jetzt erst mal Pause. Oder so was ähnliches: Sascha ist für eine andere Produktion unterwegs, bastelt aber weiter an den Videos und macht sich Gedanken. Julia und Jana arbeiten mit unserer Regieassistentin Anca, damit die Inszenierung im Körper bleibt. Maxim feilt mit Orchester und Sängerinnen an der Musik. Vera bastelt sich ein Programmheft. Charlie steht mit den Werkstätten im Kontakt. Und Nelly wird weiterhin von allem berichten.

Wir verlassen euch also nicht. Und haben weiterhin Probenzitate in petto (wenn auch vielleicht von vorherigen Proben gestohlen 🙂 …)