Aufnahme, die Zweite

Schon einen Tag nach meinem Interview mit Julia treffe ich Jana, um den zweiten Teil des Interviews zu führen. Obwohl ich sie schon kenne und mehr über sie weiß als zuvor über Julia, bin ich trotzdem neugierig auf die unterschiedlichen Antworten.

Beide haben vor allem am Anfang der Produktion viel zusammen geprobt, erzählt mir Jana, um die Art und Weise des anderen kennenzulernen, sich einiges abzuschauen und Tipps zu geben und zu bekommen.

Erwartungsvoll schalte ich das (mir jetzt bereits bekannte) Aufnahmegerät ein und beginne mit derselben Frage wie am Tag zuvor: Was hast du beruflich gelernt? Jana ist momentan noch Gesangsstudentin. Ganz im Gegensatz zu ihrem Kindheitstraum: Wissenschaftlerin. Nachdem sie diesen beiseitegelegt hatte, gab es ein Hin-und-her-gerissen-sein zwischen Geigenspielerin oder Opernsängerin. Sie entschied sich für letzteres, denn „bei Geige muss man sechs bis sieben Stunden am Tag üben… Und dann dacht‘ ich mir: Nee, ich singe doch lieber!“ Trotz des Studiums ist sie schon bekannt im Theater Zwickau, da sie nebenbei in vergangenen Spielzeiten schon in einigen Stücken als Sängerin mitgewirkt hat.

Obwohl Jana zugibt, kein Fan von modernen Inszenierungen zu sein, kommt sie doch erstaunlich gut mit der Umsetzung von Gregori Frids Oper klar. Die Person Anne Frank war für Jana wie für so viele andere auch zwar Schulstoff, aber nie wirklich mehr. Jetzt habe sie Anne als Person durch ihre Rolle mehr kennengelernt. Für Jana sei sie voller Widersprüche: die kindliche Anne handelte gleichzeitig so erwachsen, sie sei albern und kindisch und habe nebenbei tiefe philosophische Gedanken. Einige Charakterzüge von Anne erkennt Jana auch in sich selbst wieder. Doch sie meint, Anne wäre eben irgendwo ein ganz normales Mädchen gewesen, die auch über ihre ganz normalen Probleme schrieb – und damit könne sich fast jeder identifizieren. Da stimme ich Jana zu.

Bevor ich auch dieses Interview beende, muss ich auch bei Jana meine Frage zum Lampenfieber loswerden. Doch ich werde wieder enttäuscht: Wie Julia hat auch Jana kein Lampenfieber. Sie sei selbst ihre größte Kritikerin, und durch die unglaublich vielen Proben vor der wirklichen Aufführung entwickele sie so eine Routine, dass sie sich sicher fühle.

Na dann kann die große Premiere am Freitag ja kommen!

Fragebogen – Jana

1. blaue Augen, schwarze Haare (Nein und Nein.)
2. Grübchen in den Wangen (Nein.)
3. Grübchen am Kinn (Nein.)
4. Dreieck auf der Stirn (… ich glaube, ja?)
5. weiße Haut (Ja.)
6. gerade Zähne (Ja.)
7. kleiner Mund (Definitionssache.)
8. gebogene Wimpern (Ja.)
9. gerade Nase (Ja.)
10. hübsche Kleidung (Ab und an.)
11. schöne Nägel (Absolut nicht.)
12. intelligent (Man sagt, ich wäre es.)

Anne – Das unbekannte Wesen

Vor dieser Produktion wusste ich eigentlich sehr wenig über Anne. Abgesehen davon, dass wir das Tagebuch in der Schule als Lektüre besprochen haben – was auch schon einige Jahre her ist – hatte ich mich nicht wirklich damit beschäftigt, was sich jetzt natürlich durch die Oper ändert. Und ich muss sagen, dass es doch sehr interessant ist – vielleicht hätten wir im Unterricht mal das Stück anhören sollen.

Willkommen, Bienvenue, Welcome

Matinee, die [lat.-fr.]
I. die; …en: künstlerische Morgenunterhaltung, -darbietung, Vormittagsveranstaltung
II. das; -s: (veraltet) Morgenrock

Am Sonntag um 11 ist unsere Matinee in Plauen und ihr seid alle herzlich eingeladen.

Auf der Kleinen Bühne werden wir über die Oper reden, über Anne Frank, unsere Gedanken und Arbeitsprozesse. Außerdem geben euch Julia, Jana und Maxim schon mal eine musikalische Kostprobe.

Im Anschluss wird die Ausstellung der Plakatentwürfe im Großen Haus eröffnet.

Kommt also vorbei zur künstlerischen Morgenunterhaltung. Vielleicht  sogar im Morgenrock? 😉