Kenne ich dich, Anne?

Seit Sommer bin ich in Anne verliebt. Ihre Musik, ihre Geschichte. Ich habe mich viel mit ihr beschäftigt und fühle mich wohl mit ihr.

Aber eigentlich nicht erst seit diesem Sommer.

Meine Beschäftigung mit Das Tagebuch der Anne Frank von Grigori Frid geht ein paar Jahre zurück in mein Studium. Ich studierte Klavier und gleichzeitig Dirigieren. Ein Professor sah mein Potential und förderte mich so viel er konnte. Er gab mir im ersten Semester schon ein „Korrepetitionsprojekt“ mit unseren Schauspielern. Das war zwar äußerst lustig und eine tolle Einstiegserfahrung. Aber irgendwie war das nicht das, was ich mir unter Korrepetition und Oper vorstellte. Es war ja nur ein erster Schritt, ich musste einfach Geduld haben. So kamen dann in den Folgesemestern eine Così fan tutte, L’Heure espagnole und Orpheus in der Unterwelt dazu. Aha! Sowas meinte ich doch! Und in dieser Reihe tauchte ein spezielles Projekt auf: Das Tagebuch der Anne Frank von Grigori Frid.

An viele Details kann ich mich nicht erinnern. Wir hatten auch 2 Besetzungen einstudiert. Wir haben auch keine Abbildung der konkreten Zeit damals inszeniert. Und wir hatten das Orchester auch hinter der Bühne platziert. Aber sonst? Ist viel anders.

Das Stück hatte mich damals sehr überwältigt und ich hatte meine große Mühe auf den szenischen Proben irgendetwas hilfreiches von dem Klavierauszug zu spielen. Es galt den Spagat zu schaffen zwischen „der Sängerin helfen“ und „das spielen, was später im Orchester klingt“. Auch wenn ich in der Zwischenzeit viel gelernt habe und glaube, dass es bei unserer heutigen Produktion deutlich besser lief als damals – noch letzte Woche kam Julia zu mir mit dem Wunsch, ich soll bitte das (im Klavierauszug aus Handmangel nicht notierte) Glockenspiel mit andeuten, sie könne so besser ihre Einsätze finden… Man kann es immer besser machen und ich bin dankbar für jede Chance dazu.

Eine Sache ist dennoch deutlich anders als in Hannover: zur damaligen Premiere hatten wir den fast 100 jährigen Komponisten eingeladen. Mittlerweile ist er aber gestorben [an seinem 97. Geburtstag in Moskau; so eine Party will ich auch haben, wenn ich so alt bin…!].

Ich hoffe, dass wir alles dafür getan haben um ihn und sein Werk, Anne Frank und ihr Vermächtnis gebührend zu Ehren. Ich freue mich auf die Premiere morgen. Kennen Sie meine Anne?