Bald geht’s los!

Am Montag ist es soweit!

Wir haben TE – technische Einrichtung. Das heißt, die komplette Bühne wird aufgebaut und wir sehen das erste Mal alles im Original, für mich als Ausstatterin immer ein spannender Tag!

Danach wird geleuchtet – also für jede Szene die passende Lichtstimmung gesucht und ausprobiert. Sind wir zufrieden, wird sie abgespeichert und ist ab dem Moment per Knopfdruck abrufbar.

Am Dienstag ist ASP/AP – Ausstattungsprobe, oder AMA – Alles mit Allen. Jeder hat da seine Lieblingsabkürzung und die Hauptsache ist, dass alle wissen, was gemeint ist: die erste Probe mit allen Originalteilen – auch in Maske und Kostüm!

Die Werkstätten haben in den letzten Wochen fleißig gearbeitet, damit nun alles fertig ist.

Hier seht ihr ein paar Impressionen….

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Arbeit am Kostüm

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1/3 der Projektionswand im Innenhof des Theaters

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fertig bespannte Projektionswand

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technische Zeichnung der Bühne

Fragebogen – Charlie 

1. blaue Augen, schwarze Haare (Hätte ich gerne. Aber es sind grüne Augen und blonde Dreads.)
2. Grübchen in den Wangen (Nee.)
3. Grübchen am Kinn (Nee.)
4. Dreieck auf der Stirn (Wie sähe das denn aus? Nein.)
5. weiße Haut (sogar weiß gepunktet …)
6. gerade Zähne (Ja.)
7. kleiner Mund (Ehr so mittel.)
8. gebogene Wimpern (Ja.)
9. gerade Nase (Ja. Zum Glück wieder, nach einem Bruch, dank OP.)
10. hübsche Kleidung (je nach Stimmung)
11. schöne Nägel (schön und praktisch)
12. intelligent (Joa, hab meine hellen Momente, manchmal aber auch dunkle.)

 

Heute hier, morgen dort

Gestern war ziemlich aufregend: zwei Durchläufe nacheinander, der eine mit Julia, der andere mit Jana. Spannend, die inszenatorischen Gemeinsamkeiten und individuellen Unterschiede in ihren  Interpretationen zu sehen. Außerdem eine gute Gelegenheit, sich das Stück mit allen Tücken gleich zweimal zu Gemüte zu führen.

Und weil wir so viel geschafft haben, machen wir jetzt erst mal Pause. Oder so was ähnliches: Sascha ist für eine andere Produktion unterwegs, bastelt aber weiter an den Videos und macht sich Gedanken. Julia und Jana arbeiten mit unserer Regieassistentin Anca, damit die Inszenierung im Körper bleibt. Maxim feilt mit Orchester und Sängerinnen an der Musik. Vera bastelt sich ein Programmheft. Charlie steht mit den Werkstätten im Kontakt. Und Nelly wird weiterhin von allem berichten.

Wir verlassen euch also nicht. Und haben weiterhin Probenzitate in petto (wenn auch vielleicht von vorherigen Proben gestohlen 🙂 …)

(Wo-)men at work

Eigentlich bin ich immer mit Beobachten (oder mittelmäßigen Wortwitzen) beschäftigt. Normalerweise ist mein Blick dabei auf Jana und Julia gerichtet. Aber wenn dann doch mal eine kleine musikalische Probe eingeschoben wird, kann ich meinen Blick schweifen lassen…

Maxim, unser musikalischer Leiter, glüht in jeder Position für die Produktion:

Maxim at work

Und Charlie, die Ausstatterin, strahlt förmlich bei der Bearbeitung der Bilder, die wir für die Projektionen brauchen:

„Das klingt wie Schnee“

Wir haben eine Premierenklasse!!

Das ist eine Klasse, die die Produktion von der Konzeptionsprobe bis zur Premiere begleitet. Sich mit dem Regieteam trifft, Proben besucht, mit der Materie beschäftigt. Premierenklassen gibt es am Theater Plauen-Zwickau regelmäßig, unsere ist der Deutsch-LK des Lessing-Gymnasiums unter Leitung von Herrn Bär.

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Letzten Dienstag fand das erste Treffen statt. Wir, Sascha, Charlie und Vera, waren dank Baustellenstau auf der Autobahn zu spät (it seems to be a theme …). Als wir ankamen, waren alle schon unter Anleitung unserer Theaterpädagogin Steffi Liedtke fleißig dabei, aufzuschreiben, was sie über Anne Frank wissen.

Wie sich herausstellte, ganz schön viel:

PremKlasse Anne Zettel lebte im Hinterhaus mit Teils fremden Menschen Jüdin Niederlande „Liebste Kitty“ Krankheit im KZ Drehschrank Mortje Vernichtung/ Vernichtungslager erste Liebe /Streit/Auseinandersetzung mit Familie/Erwachsenen dunkle, kurze, gewellte Haare ANGST Shoah Weltliteratur Antisemitismus Schullektüre wurde entdeckt Vater hat Tagebuch veröffentlicht Vater halt als Einziger überlebt Nationalsozialismus Margot (Schwester) • nicht: Oper

Der Hintergrund war also bekannt, die Oper weniger. Deshalb erzählten wir von unseren Ideen für Bühnenbild und Regie, was uns am Mythos Anne Frank und an Grigori Frids Oper besonders interessiert.

Unsere Begeisterung für Frids Musik traf auf offene Ohren. Sascha spielte ein paar Szenen an und wir bekamen tolle Anregungen, was sich da hören ließ. Etwa die Verzweiflung und Angst Annes, wenn ein Einbrecher oder Lagerarbeiter nachts durch Haus streift (wandernde Schritte im Bass) oder der Klang der Außenwelt, das Fallen von Schnee, wenn sie aus dem Fenster schaut (tropfende Klänge in Flöten und Glockenspiel).

Aber natürlich waren wir auch da, um Fragen zu beantworten. Die drehten sich vor allem um den Realitätsbezug der Ausstattung. Wie ihr spätestens in der Vorstellung merken werdet – wenn unsere Posts es bis dahin nicht längst in den Äther gesendet haben – wird diese Inszenierung nicht versuchen, das Beschriebene naturalistisch nachzustellen. Bühne und Kostüm sind minimalistisch, die Figurenführung schwankt zwischen Identifikation und Abstraktion. Von einem Fotorealismus, wie er sich etwa in historischen Filmen findet, sind wir also weit entfernt.
Diesen wünschten sich allerdings einige Schüler*innen. Einige hatten den aktuellen Film gesehen und konnten dort in die Welt Annes sehr gut eintauchen. Warum versuchten wir es also nicht? Auch gerade bei einem historisch bedeutsamen Thema wie diesem sei es besser, die Geschehnisse möglichst realitätsgetreu auf die Bühne zu bringen. Sollten wir nicht lieber diesen Weg gehen?

Meine persönliche Antwort lautet nein. Die naturalistische Darstellung eines beengten Verstecks das real existiert, muss immer scheitern. Entweder man steht tatsächlich in den engen Räumen des Hinterhauses oder man tut es nicht. Theater überhöht, es verfremdet, selbst und gerade, wenn wir es als realistisch wahrnehmen. Es bearbeitet Themen. Es ist sicherlich keine Dokumentationsmedium. Daher halte ich es für interessanter und ehrlicher, dieser Überhöhung und Ästhetisierung nachzugehen und zu sehen, wohin sie führt.

Was denkt ihr dazu?