Ein Laie in der BO

Einen ersten Eindruck vom Bühnenaufbau und generell vom ganzen Ablauf des Stücks bekam ich am Montag in Plauen zur BO. BO, das ist die Bühnenorchesterprobe, wie Sascha schon sehr hilfreich in einem der letzten Blogeinträge erklärt hat. Das war die erste Probe, in welcher alle, im vornherein vorbereiteten, einzelnen „Puzzleteile“ zusammengefügt wurden – d. h., der Part der Sängerinnen, die Musik des Orchesters, das Bühnenbild und die Ton- und Lichttechnik, mitsamt der Projektion auf der Leinwand. Ganz schön viel. Und ganz schön spannend wie alles am Ende aussieht! Gespannt wartete auch schon die Premierenklasse, die auch wieder mit dabei war.

An sich war mir der Ablauf ja schon bekannt, doch bereits als Maxim das erste Mal seinen Taktstock schwang, stutzte ich.  Bisher hatte ich nur ihn am Flügel gehört, wie er Janas oder Julias Gesang begleitet hatte. An diese relativ weiche Atmosphäre, die das Klavier allein erzeugt hatte, war ich img_9468gewöhnt. Doch diesmal spielte das Orchester, bestehend aus sieben Musikerinnen und Musikern. Die Musik wirkte anfangs unheimlich schrill, schon fast unangenehm – doch damit natürlich umso wirkungsvoller.

In dieser Probe wurde das Hauptaugenmerk auf die Musik gelegt, welche deshalb sehr oft von Maxim als Musikalischem Leiter unterbrochen wurde. Für mich als musikalischen Laien waren die Fehler oft nicht hörbar, doch er als Profi entdeckte und korrigierte die winzigsten kleinen Unstimmigkeiten. Die Oper war schon „fertig“, sie benötigte nur noch den letzten Schliff, um alles perfekt zu machen.

Nach der Probe ging es zum Nachgespräch von Frau Liedtke, der Theaterpädagogin aus Plauen, und der Premierenklasse. Genauso wie ich waren alle von den dauernden Unterbrechungen und Wiederholungen überrascht, die sicherlich für alle anstrengend waren.

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Nachtrag:
Gestern war ich wieder in Plauen, diesmal zur Hauptprobe. Jana steckte jetzt im Kostüm, das Stück wurde diesmal mit so gut wie keinen Unterbrechungen gespielt und gesungen. Alles passt zusammen. Die Premiere kann kommen! Zumindest aus Sicht meiner Amateur-Augen.

„Also wenn die Zeit angezeigt wird, wird aufgenommen… Glaube ich.“

Ich komme mir schon ziemlich professionell vor – Aufnahmegerät in der einen, Zettel voller Fragen in der anderen Hand, auf dem Weg zu einem wichtigen Termin. Ich habe die Aufgabe, Jana und Julia, die beide Anne singen und spielen werden, zu interviewen. Aus dieser Aufgabenstellung kann man natürlich viel machen – was es nicht unbedingt leichter macht.

Nach einigen Überlegungen habe ich mir einige Fragen ausgedacht, die mich persönlich zu den beiden und zum Thema Anne Frank interessieren. Damit gewappnet treffe ich mich erst mit Julia, gespannt und ziemlich aufgeregt. Denn Julia habe ich bisher nur zur Konzeption vor einigen Wochen gesehen, aber weder eine ihrer Proben miterlebt noch sie richtig persönlich kennengelernt. Dementsprechend interessiert setze ich mich ihr gegenüber. Nach einigen Startschwierigkeiten mit dem Aufnahmegerät und mir geht es los.

Ich beginne mit meiner ersten, zugegeben relativ unspektakulären Frage: was sie denn beruflich gelernt habe. Julia hat Operngesang studiert, vor sechs Jahren die ersten großen Bühnenerfahrungen gemacht, erzählt sie. Sängerin werden war schon immer ihr Traum, wobei sie auch von ihren Eltern unterstützt wurde – und jetzt hat sie ihr Ziel erreicht und ist als Opernsängerin im Theater Plauen Zwickau angestellt.

Die Umsetzung von Das Tagebuch der Anne Frank findet sie sehr ansprechend für die Zuschauer, da keine geballte Grausamkeit des geschichtlichen Hintergrundes über sie hereinbreche, man aber trotzdem mittendrin sei. Es drehe sich alles direkt um die Person Anne. Das Unrecht werde nur angedeutet, bleibe aber trotzdem ständiger Begleiter.

Mich interessiert außerdem, wie Julia Anne Frank beschreiben würde, da sie nicht nur den Text singen, sondern Anne auch direkt verkörpern muss. Für Julia steht Anne als Person für Hoffnung und Optimismus. Sie sei nicht unterzukriegen, eine Kämpfernatur und halte an ihrem Glauben auf eine bessere Zukunft fest, meint Julia. Ein sensibles, melancholisches Mädchen, das ihrer Zeit und ihrem Alter deutlich voraus gewesen sein muss.

Obwohl Julia sich selbst nicht als Optimistin einschätzt, sieht sie zwischen sich und Anne doch Gemeinsamkeiten. Wie Anne sei sie eine Kämpferin, jedoch gefühlsbetont – das helfe ihr, sich in sie hineinzuversetzen und sie zu spielen.

Das Interview beende ich mit einer Frage, die ich schon immer mal großen Sängerinnen oder Schauspielern stellen wollte: Was macht man denn bei Lampenfieber? Julia hat kaum Lampenfieber, erzählt sie. Nur eine kurze gute aufgeregte Phase, ein paar Minuten vor dem Betreten der Bühne. Von Anfang an hat sie sich auf der Bühne wohl gefühlt und genießt die Zeit im Rampenlicht sehr – die ideale Voraussetzung für eine Opernsängerin.

Jetzt bin ich umso gespannter darauf, Julia in der Rolle der Anne zu erleben!

Weihnachten im Oktober

Es gibt Momente in einer Inszenierung, die sind wie Weihnachten:

Man hat lange auf etwas gewartet und plötzlich ist es da!
Genauso war es, als vor ein paar Tagen Abends zum ersten Mal die sieben Silhouetten auf der Probe erschienen.

Natürlich sind sie noch „unbehandelt“ und können nicht aus eigener Kraft stehen, aber nachdem wir sie in alter Mafia-Manier „einbetoniert“ hatten, konnten sie stehen, ohne sich anlehnen zu müssen.

Bleibt nur die Frage, was der Läufer links im Bild vorhat … 😉

Silhouetten mit Läufer

Und auch Jana und Julia freuten sich, statt der Papphocker die neuen Kollegen durch die Gegend tragen zu dürfen…

Panorama Silhouetten

Ist das Kunst? Oder improvisiert …

…ein kleiner Nachtrag…

Donnerstag, 8.9. Plauen, kleines Haus.

Regisseur und Ausstatterin reisten an, um sich vorab einen Eindruck über die Möglichkeiten der Videotechnik am Haus zu verschaffen zu können.

Aufgrund einer Fehlinformation hatten wir nur leider keine Leinwand in den Abmassen, die wir benötigten, zur Verfügung.

Also wurde rasch improvisiert und es entstand eine gestückelte Leinwand, die – mit Fotos und Licht in Szene gesetzt – doch ein echtes Kunstwerk wurde… oder was meint ihr? Sie erfüllte auf jeden Fall ihren Zweck.