Annes Tagebuch XLVIX

7. Okt. 1942.
Mittwoch.

Ich bilde mir nun ein daß … ich in die Schweiz gehe und alles mitnehme auch die Möbel und Geld. Wir kommen dort an Papa und ich schlafen in 1 Zimmer während das Studierzimmer der Jungen mein Zimmer wird wo ich sitze und meine Gäste empfange. Dort haben sie als Überraschung neue Möbel gekauft und Teetisch, Schreibtisch, Sesseln und Divan, einfach großartig. Nach ein paar Tagen gibt Papa mir f150 Gulden umgerechnet natürlich aber ich werde einfach Gulden sagen und sagt daß ich dafür alles kaufen soll ausschließlich für mich selbst was ich für nötig halte diese darf ich unverzüglich ausgeben, ich bekomme dann jede Woche f1, dafür kann ich mir dann kaufen was ich selbst will. […]
Mit Privatstunden habe ich die Schule eingeholt und kann auch genügend Französisch und Deutsch um mitzukommen, wobei ich auch ganz hübsch Schweizerdeutsch kann. Ich komme in die zweite Klasse Lyceum mit netten Jungen und Mädchen wo ich bald Kitty aufstöbere ein nettes Mädchen von 14 Jahren wir werden dicke Freundinnen.

Regeln des Zusammenlebens

Dienstag 17. November
1942.

Prospekt und Leitfaden des Hinterhauses. Spezielle Einrichtung für die vorübergehende Unterkunft von Juden und dergleichen.

Während des ganzen Jahres geöffnet. Schöne, ruhige, waldreiche Umgebung im Herzen von Amsterdam. Keine privaten Nachbarn. Zu erreichen mit den Straßenbahnlinien 13 und 17 fer­ner auch mit Auto oder Fahrrad. In bestimmten Fällen wo die deutschen Autoritäten die Be­nutzung dieser Transportmittel nicht erlauben auch laufend.

Entfernung von der Munt: 5 Minuten. Entfernung von [Amsterdam-]Süd: 45 Minuten. Mö­blierte und unmöblierte Wohnungen und Zimmer ständig verfügbar mit oder ohne Pension. Wohnpreis gratis. Diätküche, fettfrei.

Fließendes Wasser im Badezimmer (leider keine Wanne) und an diversen Innen- und Außen­wänden. Herrliche Feuerstellen. Geräumige Lagerplätze für Güter jeder Art. 2 große moderne Panzerschränke. Eigene Radio-Zentrale.

mit direkter Verbindung von London, New York, Tel Aviv und vielen anderen Stationen. Dieser Apparat steht ab 6 Uhr abends allen Bewohnern zur Verfügung, wobei es keine verbote­nen Sender gibt unter der Bedingung daß nur ausnahmsweise deutsche Sender gehört werden dürfen z.B. klassische Musik u. ä. Der Radio-Nachrichtendienst arbeitet durchgehend in 3 Schichten. Morgens um 7 Uhr, 8 Uhr, mittags um 1 uhr, abends um 6 Uhr. Ruhezeiten: 10 Uhr abends – 7 ½ Uhr morgens. Sonntags 10 ¼ Uhr. In Zusammenhang mit [besonderen] Umstän­den werden tagsüber auch Ruhestunden abgehalten, nach Anweisungen der Direktion. Ruhe­stunden müssen genau eingehalten werden, in Zusammenhang mit der allgemeinen Sicher­heit!!!! Freizeit: verfällt soweit außer Haus bis auf weitere Anweisung.

Gebrauch der Sprache: Gefordert ist zu allen Zeiten leise zu sprechen, erlaubt sind alle Kultur­sprachen, also kein Deutsch. Lektüre und Entspannung: Es dürfen keine deutschen Bücher ge­lesen werden, ausgenommen wissenschaftliche und klassische, alles übrige ist frei. Gymnastik­übungen: täglich Gesang: ausschließlich leise und nach 6 Uhr abends.

Film: Nach Abmachung.

Unterricht: In Stenographie jede Woche 1 schriftliche Lektion. In Englisch, Französisch, Mathe­matik, und Geschichte jederzeit.

Bezahlung im Gegenunterricht, z.B. Niederländisch.

Eilst strengstens verboten deutsche Nachrichten abzuhören (egal von wo diese ausgesandt wer­den) und zu verbreiten.

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Besondere Abteilung für kleine Haustiere, mit guter Versorgung (ausgenommen Ungeziefer, für das besondere Genehmigung erteilt werden muß …….

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Preis, wird nach Beratung festgelegt.

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Die Einnahme der Mahlzeiten: Frühstück an allen Tagen, mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage morgens um 9 Uhr, Sonn- und Feiertage ca 11 ½ Uhr.

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Dinner, zum Teil ausgedehnt.

Mittags 1 ¼ – 1 ¾ Uhr.

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Abendessen, kalt und / oder warm in Zusammenhang mit dem Nachrichtendienst keine feste Zeit.

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Verbessern:

Die Hausgenossen ersuchen freundlich wenn jemand einen Fehler macht in Sprache oder Aus­sprache der niederländischen Sprache, verbessert zu werden; es wird sicher allen Hausgenossen zugute kommen.

Verpflichtungen gegenüber der Versorgungskolonne:

Immer bereit zu sein um bei Büroarbeiten zu helfen.

Baden: Sonntags ab 9 Uhr steht die Schüssel allen Hausgenossen zur Verfügung. Man kann ba­den im WC, in der Küche, im Privatbüro, im vorderen Büro, ganz nach Wunsch.

Starke Getränke nur gegen ärztliches Attest. Ende.

 

Annes Tagebuch XXVII

Mittwoch, 8. Juli 1942.

[unter einer Reihe von Porträtsfotos kommentiert Anne ihre Gesichtsausdrücke]

die Geschichte wird ernster,
aber ein Lächeln ist noch übrig von dem witzigen Teil
oh was für ein Witz.
was wird jetzt kommen?
guten Tag. „Ja, mir geht es gut!“ (lachende Höflichkeit)
die Geschichte ist schön
auch lieb

„Ich bin fragebogenkrank“

Am 28. September 1942 beantwortete Anne einen Fragebogen aus einem Magazin und schrieb die Antworten in ihr Tagebuch:

1. blaue Augen, schwarze Haare (nein.)
2. Grübchen in den Wangen (ja.)
3. Grübchen am Kinn (ja.)
4. Dreieck auf der Stirn (nein.)
5. weiße Haut (ja.)
6. gerade Zähne (nein.)
7. kleiner Mund (nein.)
8. gebogene Wimpern (nein.)
9. gerade Nase (ja.) {bis jetzt schon.}
10. hübsche Kleidung (manchmal.) {viel zu wenig nach meinem Geschmack.}
11. schöne Nägel (manchmal.)
12. intelligent (manchmal.)

Jetzt ist alle klar, oder?
Wie unsere Ergebnisse aussehen, erfahrt ihr in den nächsten Tagen.

Annes Tagebuch XV

21. September 1942 – 13. Nov.1942.

Ich habe so eine Lust mit jemanden zu korrespondieren, und das werde ich in Zukunft mit meinem Tagebuch tun. Ich schreibe also nun in Briefform, was tatsächlich auf dasselbe hinausläuft.
Liebe Jettje, (sage ich mal,) … beste Emmy … Liebe Kitty … Beste Pop … Beste Marianne … Liebe Kitty … Beste Conny … Beste Pien … Liebe Pop … Beste Kit … Beste Pien … Beste Loutje … Beste Conny … Beste Marianne … Beste Kitty … Beste Pop … Beste Conny … Beste Phien … Beste Marianne … Beste Kitty … Beste Pop … Liebe Phien … Beste Conny … Beste Emmy … Beste Jet … Liebe Marianne … Beste Kitty … Beste Poppie … Beste Lou … Beste Marianne … Beste Kitty … Beste Pop … Beste Phien … Beste Donny … Beste Emmy … Beste Jetty … Beste Kitty
Wie geht es euch allen? Ich finde es so schade daß ich niemals Antwort bekomme.

Annes Tagebuch XIV

6. Okt. 1942.

Heute mittag habe ich nach langer Zeit wieder mal geschlafen und davor habe ich statt zu lesen meine Puppe aus der Wiege von Frau Eichwald angezogen sie sieht wieder hübsch aus und den Bär, mein einziges übriggebliebenes Schmuckstück, (traurig klingt das gell) habe ich so hingesetzt daß es aussieht als würde er kriechen.