Willkommen, Bienvenue, Welcome II

Morgen um 11 ist es endlich soweit, wir kommen in Zwickau an und laden euch herzlich ein zur Matinee.

Im Malsaal werden wir über über Anne Frank reden, über Frids Oper, unsere Gedanken und Arbeitsprozesse. Außerdem geben euch Jana und Maxim schon mal eine musikalische Kostprobe.

Also kommt vorbei, bevorzugt im Morgenrock 😉

Matinee, die [lat.-fr.]
I. die; …en: künstlerische Morgenunterhaltung, -darbietung, Vormittagsveranstaltung
II. das; -s: (veraltet) Morgenrock

 

Annes Tagebuch XLVIX

7. Okt. 1942.
Mittwoch.

Ich bilde mir nun ein daß … ich in die Schweiz gehe und alles mitnehme auch die Möbel und Geld. Wir kommen dort an Papa und ich schlafen in 1 Zimmer während das Studierzimmer der Jungen mein Zimmer wird wo ich sitze und meine Gäste empfange. Dort haben sie als Überraschung neue Möbel gekauft und Teetisch, Schreibtisch, Sesseln und Divan, einfach großartig. Nach ein paar Tagen gibt Papa mir f150 Gulden umgerechnet natürlich aber ich werde einfach Gulden sagen und sagt daß ich dafür alles kaufen soll ausschließlich für mich selbst was ich für nötig halte diese darf ich unverzüglich ausgeben, ich bekomme dann jede Woche f1, dafür kann ich mir dann kaufen was ich selbst will. […]
Mit Privatstunden habe ich die Schule eingeholt und kann auch genügend Französisch und Deutsch um mitzukommen, wobei ich auch ganz hübsch Schweizerdeutsch kann. Ich komme in die zweite Klasse Lyceum mit netten Jungen und Mädchen wo ich bald Kitty aufstöbere ein nettes Mädchen von 14 Jahren wir werden dicke Freundinnen.

Annes Tagebuch XLVIII

Donnerstag 11. Mai 1944.

Dann warten Theseus, Ödipus, Peleus, Orpheus, Jason und Herkules auf ein gründliches Ordnungsmachen, da verschiedene ihrer Taten wie bunte Fäden in einem Kleid, in meinem Kopf durcheinander liegen, auch Myron und Phidias müssen dringend einer Behandlung unterzogen werden, wollen sie nicht ganz aus ihrem Zusammenhang geraden. Ebenso geht es z.B. mit dem Sieben- und dem Neunjährigen Krieg, ich bekomme auf diese Art alles durcheinander. Ja, was soll man auch mit so einem Gedächtnis anfangen! Stell dir mal vor, wie vergesslich ich sein werde wenn ich 80 bin!

Annes Tagebuch XLVII

Freitag 5. Febr. 1943

Liebe Kitty,
Auch Peter wie still auch meistens, gibt manchmal Grund zur Fröhlichkeit. Er hat das Unglück versessen auf fremde Wörter zu sein, aber deren Bedeutung nicht zu kennen. An einem Nachmittag als wir wegen Besuch im Büro nicht auf die Toiletten gehen konnten, mußte er doch sehr dringend hin, zog jedoch nicht ab. Um uns nun vor einem weniger angenehmen Geruch zu warnen, befestigte er einen Zettel an der W.C. Tür mit »S.V.P. Gas« darauf. Er wollte natürlich dranschreiben »Vorsichtig, Gas,« fand aber s.v.p. vornehmer. Daß es bitte bedeutet, davon hatte er keine blasse Ahnung.

deine Anne.

Regeln des Zusammenlebens

Dienstag 17. November
1942.

Prospekt und Leitfaden des Hinterhauses. Spezielle Einrichtung für die vorübergehende Unterkunft von Juden und dergleichen.

Während des ganzen Jahres geöffnet. Schöne, ruhige, waldreiche Umgebung im Herzen von Amsterdam. Keine privaten Nachbarn. Zu erreichen mit den Straßenbahnlinien 13 und 17 fer­ner auch mit Auto oder Fahrrad. In bestimmten Fällen wo die deutschen Autoritäten die Be­nutzung dieser Transportmittel nicht erlauben auch laufend.

Entfernung von der Munt: 5 Minuten. Entfernung von [Amsterdam-]Süd: 45 Minuten. Mö­blierte und unmöblierte Wohnungen und Zimmer ständig verfügbar mit oder ohne Pension. Wohnpreis gratis. Diätküche, fettfrei.

Fließendes Wasser im Badezimmer (leider keine Wanne) und an diversen Innen- und Außen­wänden. Herrliche Feuerstellen. Geräumige Lagerplätze für Güter jeder Art. 2 große moderne Panzerschränke. Eigene Radio-Zentrale.

mit direkter Verbindung von London, New York, Tel Aviv und vielen anderen Stationen. Dieser Apparat steht ab 6 Uhr abends allen Bewohnern zur Verfügung, wobei es keine verbote­nen Sender gibt unter der Bedingung daß nur ausnahmsweise deutsche Sender gehört werden dürfen z.B. klassische Musik u. ä. Der Radio-Nachrichtendienst arbeitet durchgehend in 3 Schichten. Morgens um 7 Uhr, 8 Uhr, mittags um 1 uhr, abends um 6 Uhr. Ruhezeiten: 10 Uhr abends – 7 ½ Uhr morgens. Sonntags 10 ¼ Uhr. In Zusammenhang mit [besonderen] Umstän­den werden tagsüber auch Ruhestunden abgehalten, nach Anweisungen der Direktion. Ruhe­stunden müssen genau eingehalten werden, in Zusammenhang mit der allgemeinen Sicher­heit!!!! Freizeit: verfällt soweit außer Haus bis auf weitere Anweisung.

Gebrauch der Sprache: Gefordert ist zu allen Zeiten leise zu sprechen, erlaubt sind alle Kultur­sprachen, also kein Deutsch. Lektüre und Entspannung: Es dürfen keine deutschen Bücher ge­lesen werden, ausgenommen wissenschaftliche und klassische, alles übrige ist frei. Gymnastik­übungen: täglich Gesang: ausschließlich leise und nach 6 Uhr abends.

Film: Nach Abmachung.

Unterricht: In Stenographie jede Woche 1 schriftliche Lektion. In Englisch, Französisch, Mathe­matik, und Geschichte jederzeit.

Bezahlung im Gegenunterricht, z.B. Niederländisch.

Eilst strengstens verboten deutsche Nachrichten abzuhören (egal von wo diese ausgesandt wer­den) und zu verbreiten.

——-

Besondere Abteilung für kleine Haustiere, mit guter Versorgung (ausgenommen Ungeziefer, für das besondere Genehmigung erteilt werden muß …….

——-

Preis, wird nach Beratung festgelegt.

——-

Die Einnahme der Mahlzeiten: Frühstück an allen Tagen, mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage morgens um 9 Uhr, Sonn- und Feiertage ca 11 ½ Uhr.

——–

Dinner, zum Teil ausgedehnt.

Mittags 1 ¼ – 1 ¾ Uhr.

——–

Abendessen, kalt und / oder warm in Zusammenhang mit dem Nachrichtendienst keine feste Zeit.

——–

Verbessern:

Die Hausgenossen ersuchen freundlich wenn jemand einen Fehler macht in Sprache oder Aus­sprache der niederländischen Sprache, verbessert zu werden; es wird sicher allen Hausgenossen zugute kommen.

Verpflichtungen gegenüber der Versorgungskolonne:

Immer bereit zu sein um bei Büroarbeiten zu helfen.

Baden: Sonntags ab 9 Uhr steht die Schüssel allen Hausgenossen zur Verfügung. Man kann ba­den im WC, in der Küche, im Privatbüro, im vorderen Büro, ganz nach Wunsch.

Starke Getränke nur gegen ärztliches Attest. Ende.

 

Wir sind wieder hier …

Die Zwickauer Premiere steht vor der Tür!!
Und das bedeutet, wir sind wieder hier, um euch daran teilhaben zu lassen.

Denn bevor es nächste Woche im Malsaal heißt (figurativer) »Vorhang auf!«, muss so einiges geschehen:
Am Sonntag gibt es unsere Matinee, Montag und Dienstag findet die technische Einrichtung statt, Dienstag ist HP, Mittwoch GP, irgendwann kommen noch Arbeitsproben dazu, Premierengeschenke müssen besorgt werden, und schließlich, am Donnerstag um 18.00, ist Premiere.

Es wird also wieder spannend!
Lest, teilt, kommentiert, und vor allem – kommt vorbei!!

Besuch bei Anne

Vorletzten Donnerstag ging es für mich auf eine vorerst letzte Anne-Mission. Meine Mutter und meine Großeltern wollten sich gern mit mir die Oper angucken. Sie interessieren sich für Vieles, was mit Kunst und Musik zu tun hat, und vor allem meine Großeltern sind in diesem Zusammenhang auch sehr offen und jung geblieben. Auf meinen Vorschlag hin fuhren wir deshalb nach Plauen, um uns eine Vorstellung von Das Tagebuch der Anne Frank anzusehen.

Ich hatte vorher nicht allzu viel über die Produktion berichtet. Alle drei erwarteten deshalb eine mehr oder weniger realistische Darstellung von Annes Leben – und wurden überrascht. Diese Überraschung schlug bald um in gebanntes Verfolgen, als die Oper ihren Lauf nahm.

Ich verlor währenddessen die Zeit aus den Augen und so ging es, glaube ich, auch meinen drei Begleitern. Gefesselt, sprachlos und dennoch unruhig saßen sie auf ihren Stühlen und brauchten nach dem langen Applaus noch einige Zeit, wieder zu sich zu kommen.

Was mich angeht, wie ihr aus meinen ersten Blogeinträgen noch herauslesen könnt, war ich am Anfang skeptisch. Meine Erwartungen waren ähnlich zu denen der Premierenklasse: generell wäre doch eine „realistische“ Darstellung besser als eine abstrakte … Oder?

Das Thema berührt an sich schon ungemein. Doch in dieser Oper, in dieser Umsetzung, wird es umso extremer. Eben weil es persönlicher wird, weil Jana und Julia in ihrer Rolle nicht nur kühl von Anne Franks Leben erzählen, sondern der Zuschauer Höhen und Tiefen ihrer Zeit miterlebt und Anne leibhaftig vor sich stehen sieht.

Natürlich sind Filme, die Anne Franks Leben im Hinterhaus real und dokumentarisch darstellen, auch wichtig. Doch Theater hat ganz andere Darstellungsmöglichkeiten. Theater kann auch abstrakt darstellen, und die Oper Das Tagebuch der Anne Frank erzählt zusätzlich mit der Musik des Orchesters.

Das Besondere an diesem Stück ist also, wie ich finde, dass es eben nicht „gewöhnlich“ wie viele der Filme über Anne ist. Es ist nicht so, wie man es erwartet. Es wurden so viele Gedanken, Überlegungen und Interpretationen eingearbeitet, dass es auf eine unangenehme Weise begeistert.

Meine Großeltern haben gesagt, es war ein guter Gedankenanstoß, sie reden immer noch darüber. Auch meine Mama sagte mir erst heute Vormittag, dass das Stück sie noch beschäftige.

Und genau das soll es doch bewirken, meiner Meinung nach. Nicht wie ein schwerer Brocken im Magen liegen und ein Thema sein, was man vermeiden möchte. Sondern eher etwas, das zum Nachdenken anregt – damit man Anne und ihre Geschichte nicht vergisst.