Annes Tagebuch II

2. Mai 1943.
Sonntag.

Wenn ich mal überlege, wie wir hier leben, komme ich meistens zu dem Schluß daß wir es im Verhältnis zu anderen Juden, die sich nicht verstecken, wie in einem Paradies haben, aber daß ich später wenn alles wieder normal [ist] doch verwundert sein werden wie wir, die es doch zu Hause sehr ordentlich hatten, so, ja man kann wohl sagen, heruntergekommen sind.
[…]
Mutter und Margot sind den ganzen Winter zusammen mit 3 Hemden ausgekommen und die meinen sind so klein daß sie mir noch nicht mal bis an den Bauch reichen. Das sind nun zwar alles Dinge über die man hinwegsehen kann, aber trotzdem überlege ich manchmal mit Schrecken, wie wollen wir […] später wieder einmal zu unserem Vorkriegsstand gehören können?

Mein blaues Knie

Konzeptionsprobe Das Tagebuch der Anne Frank. Dienstag, der 13. September 2016, 18 Uhr. Theater in der Mühle. Alle sind da und warten.
Alle?
Nein: Dramaturgie, Ausstattung und Regie fehlen.
Einfach nicht da.
Das fängt schon mal gut an!

Verdammt, ich bin zu spät! Ich bin nämlich die Regie und spute mich, mit meinem Team noch einigermaßen pünktlich aufzuschlagen, aber die asiatische Gelassenheit der Kellnerin hat diesen Versuch schon vor mehr als fünf Minuten scheitern lassen.
Man mag es mir glauben oder nicht, aber ich hasse es generell, zu spät zu kommen und natürlich auch, wenn andere zu spät sind.
Zwei Momente Nähkästchen: Konzeptionsproben sind unter normalen Umständen schon eine psychische Ausnahmesituation. Man kommt an einen fremden Ort, kennt dort zumeist niemanden, versucht seine Ideen zu vertreten und möchte zeitgleich in wenigen Sekunden realisieren, mit wem man es zu tun hat und folglich wie die nächsten Wochen wohl laufen könnten. Man kommt sich während der Proben schnell nahe, zumal wenn es um ein Thema wie Anne Frank geht. Für den ersten Eindruck gibt es eigentlich keine zweite Chance. Das erzeugt Druck. Vermutlich nicht nur auf meiner Seite. Nähkästchen zu.

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Wir drei stolpern also in den Raum, grüßen kurz ins Plenum und ich fange an zu reden. Was eigentlich als logische Abfolge verschiedener Fakten und Gedanken von meinem Hirn vorbereitet und von meiner Hand in einem Notizbuch am Vormittag fixiert wurde, kommt nun einmal ordentlich durchgemixt aus meinem Mund. Ich rede und rede und …
Plötzlich ein Blick: Wer sind eigentlich die Leute, die da hinten sitzen? Vielleicht hätte man doch eine Vorstellungsrunde machen sollen wie geplant? Nicht für die Anwesenden, aber für mich.
Doch ehe mein Kopf den Gedanken aufgreifen kann, ist der Mund schon drei Sätze weiter, spricht über den Mythos Anne Frank, die heutige Mona Lisa, die Projektionsfläche. Ach ja, apropos Projektion: Video haben wir auch. Nein, ansonsten gibt es nichts auf der Bühne, abgesehen von Tablet, Sitzwürfel, Papier und Klebeband.
Nach und nach können sich die Zuhörer kreativ ein Gesamtbild des Konzeptes aus den Versatzstücken zusammenzimmern.
Sonst noch Fragen?
Ach ja: der Blog.
Während über ihn und die Vernetzung mit der Theaterpädagogik und den Jugendlichen gesprochen wird, lasse ich die vergangenen Minuten Revue passieren und schlage die Hände über dem Kopf zusammen – innerlich natürlich.

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Der Raum leert sich, Konzeption vorbei, Hürde eins genommen.
Nun ja, eher voll reingesprungen, aber irgendwie doch mit einem blauen Knie drüber gekommen.
Jetzt zum Eigentlichen: Die erste szenische Probe.
Durchatm… Und los!
„Am Freitag wachte ich schon um sechs Uhr auf…“

 

Nachtrag: Eigentlich bin ich ganz anders, aber ich komme erst ab der zweiten Probe dazu.
(in variationem: Ödön von Horváth)

Haar für Haar 

Jetzt wird es langsam ernst. In der nächsten Woche wird das erste Mal ins Kostüm geschlüpft.

Die Maske hat heute schon einmal zur Anprobe gebeten und nein- Anne bekommt natürlich keine Halbglatze, die Anprobe diente dazu den original Haaransatz zu markieren, damit später die Perücke auch perfekt abschließt. 

Jedes einzelne Haar wird dann von Hand auf den  Rest der Gaze mit einer speziellen Technik geknüpft. 

Kleines „Willkommen“

Herzlich Wilkommen auf dem Produktionsblog zu Grigori Frids Das Tagebuch der Anne Frank.

Auf diesem Blog, der unser eigenes kleines, interaktives Produktionstagebuch ist, stellen wir euch Anne Frank, Grigori Frid und uns selbst vor.
Es gibt Informationen zum Leben Anne Franks und ihrem Tagebuch, sowie zu der Monooper Grigori Frids, die auf beidem basiert.

Wir teilen unsere Arbeit und Gedanken als Theaterteam, das daran arbeitet, Das Tagebuch der Anne Frank für euch auf die Bühne zu bringen. Begleitet uns in den nächsten Wochen. Kommentiert, teilt und liked!
Und dann sehen wir uns hoffentlich spätestens zur Premiere (28.10.2016) oder zu einer der Vorstellungen.